Was Welpen lernen sollten - Tantivy Terriers

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Was Welpen lernen sollten

Arbeit mit dem Russell

Was Welpen lernen sollten - oder die Mär vom unerziehbaren Terrier
Copyright C. Kopp-Ulrich 2013


Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem Buch "Terrier! Sonst noch Fragen?", das Sie bei www.terrier-verlag.de bestellen können. 

Aus aktuellem Anlass möchte ich hier beschreiben, was ein junger Hund als erstes im Rudel lernt. Aus diesen Beobachtungen können wir Menschen einiges übernehmen, das uns bei der Erziehung unseres Welpen helfen kann.

Unterschieden werden sollte hierbei zwischen Erziehung und Ausbildung. Kein Hund lernt Sitz oder Platz oder an der Leine gehen im Rudel, dies fällt unter die Rubrik Ausbildung des Hundes und ist eine ausschließliche Angelegenheit zwischen Mensch und Hund.

In der Erziehung im Rudel geht es zunächst um Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe, was das Erlernen der Vokabeln Ja und Nein und das Einhalten der Individualdistanz beinhaltet. Welpen lernen etwa ab der sechsten Lebenswoche, wenn andere Rudelmitglieder als die Mutter mit einbezogen werden, feine Signale wahrzunehmen.
Erfolgt keine Reaktion durch ein anderes Rudelmitglied bei Annäherung, kann dies als JA gewertet werden.

Sendet das andere Rudelmitglied aber Signale wie Lefzen hochziehen, Zähne zeigen, knurren oder abschnappen, lernt der Welpe seine Lektion in Individualdistanz und gleichzeitig Variationen von NEIN. Er lernt auch, dass Individualdistanz so heißt, weil sie für einzelne Mitglieder des Rudels unterschiedlich gilt, also individuell ist. Was eine junge „Erziehungs- und Spieltante“ an Individualdistanz duldet, muss noch lange nicht für den Altrüden gelten.

Das gleiche gilt für das Erlernen der Beißhemmung, die eine weitere Variante von NEIN beinhaltet. Beißt der Welpe nämlich zu fest zu, kann das Spiel vom Spielpartner abgebrochen werden oder es erfolgt zuerst eine Zurechtweisung wie Knurren oder Abschnappen und das Spiel wird dann abgebrochen.

Spielt der Welpe mit einem anderen Rudelmitglied und das Spiel wird zu wild, gehen die Erziehungsberechtigten auch durchaus schon mal dazwischen und splitten das Spiel. Es wird dadurch ebenfalls beendet.

Rennspiele, die zu dicht an erziehungsberechtigten Rudelmitgliedern vorbeiführen, werden durch Splitten oder Bewegungseinschränkung abgebrochen.

Besitz ist im Rudel genauestens geregelt. Herumliegendes Spielzeug oder Knochen kann der Welpe nehmen, solange kein anderes Rudelmitglied darauf Wert legt. Die Distanz zu den anderen Rudelmitgliedern spielt dabei keine Rolle, der Welpe lernt, dass er etwas aufgrund von Blickkontakt z.B. mit dem Altrüden liegen lassen muss.
Andererseits darf ein Welpe genau wie ein Alttier sein Futter oder seinen Besitz verteidigen, solange es sich quasi in seiner Schnauze befindet. Die meisten Alttiere werden diese Art der Verteidigung respektieren. Biologisch ist dies sinnvoll, da der Nachwuchs ja groß werden soll und es daher wichtig ist, dass ihm nicht alles weggefressen wird.

Insgesamt kann man beobachten, dass es keine langen Spielsequenzen gibt, kein stundenlanges Spiel, sondern kurze Spielsequenzen, die von langen Ruhephasen abgelöst werden. Ein erwachsener Hund schläft ca zwanzig Stunden am Tag, ein Welpe je nach Wachstumsphase sogar noch mehr.

Hunde, die wirklich noch arbeiten, wie etwa Hüte- oder aktive Jagdhunde, lernen während ihrer Ausbildung als erstes Ruhe zu geben. Ein Hund, der sich angesichts der Schafe nicht beherrschen kann und ständig zwischen ihnen herumrennt ist nicht zum Hüten geeignet oder braucht in seiner Ausbildung eine Anleitung, damit er ruhiges Beobachten lernt. Ein Jagdhund, der beim Anblick von Wild völlig aus dem Häuschen gerät und zur Unzeit fiepend und bellend seine Aufregung kundtut, vergrämt das Wild und ist für seine eigentliche Aufgabe nicht mehr einsetzbar.

Was lernen wir daraus? Zunächst einmal, dass die als anspruchsvoll bezeichneten Hunderassen wie etwa Border Collie oder Jack Russell Terrier aus übertriebenem Auslastungsdenken heraus völlig falsch an ihre Aufgaben herangeführt werden.
Häufig wird versehentlich oder weil der Mensch der Meinung ist, der Hund müsse doch „arbeiten“ aufgeregtes Verhalten dadurch belohnt, dass es in der Folge gleich losgeht mit dem Spaziergang, dem Sport- oder Fährtentraining.
Daraus resultiert im schlimmsten Fall ein Hund, der nicht gelernt hat, sich zu beherrschen, der bellt, zwickt, rempelt, aufdreht, springt und unbeherrschbar erscheint. Ein Hund, der nicht gelernt hat, zuzuhören und der schlicht in seiner Aufregung gefangen ist, sogar dergestalt, dass er seinen Menschen nicht hören KANN.

Dabei wäre es so einfach: Aufgeregtes Verhalten wird nicht belohnt. Drängeln an der Tür wird nicht belohnt, die Tür geht einfach wieder zu, wenn Hund drängelt. Ruhesignale werden etabliert und das Bleiben an einer Stelle wird erlernt. Die Vokabeln Ja und Nein werden erlernt. Dafür braucht es keine Ausbildung im Sinne von Sitz oder Platz, sondern Kommunikation. Durch Kommunikation, die auf beiden Seiten gehört wird, bekommen wir einen Hund, der gelernt hat, zuzuhören, weil ihm der Mensch die wichtigsten Dinge im Rudel vermitteln kann: Ruhe und verlässliche Regeln. Erst wenn diese Form der Kommunikation stimmt, kann der Mensch beginnen, den Hund auszubilden.
Und so sind auch angeblich unerziehbare oder angeblich „dominante“ Hunde über Regeln und Ruhe in der Lage, uns zuzuhören und mit uns zu arbeiten, ganz egal ob es sich um einen Welpen, einen Junghund oder einen erwachsenen Hund handelt!


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü